Gahlenz
Seit 1896 steht Gahlenz für traditionelle Holzkunst aus dem Erzgebirge – für außergewöhnliche Qualität, echtes Handwerk und Figuren mit unverwechselbarem Charakter. Von liebevoll gefertigten Räuchermännern und Nussknackern bis zu beeindruckenden Großfiguren und Großbauten.
Heute beginnt ein neues Kapitel: Gemeinsam mit Steinbach Volkskunst bewahren wir das handwerkliche Erbe von Gahlenz und führen es mit neuen Ideen in die Zukunft.
TRADITION BEWAHREN. HANDWERK LEBEN. ZUKUNFT GESTALTEN.
Vom Anfang bis zum ersten Weltrekord
1896 – Wo alles begann
Die Geschichte von Gahlenz beginnt im Jahr 1896 mit einer „Kunstanstalt für Innendekoration“. In dem 1906 errichteten Fabrikgebäude wurden zunächst unterschiedlichste Erzeugnisse aus Holz gefertigt und dekoriert. Schon damals standen handwerkliches Können und die Verarbeitung des natürlichen Werkstoffs Holz im Mittelpunkt. Damit wurde der Grundstein für eine Tradition gelegt, die sich über Generationen weiterentwickelte und den Standort Gahlenz bis heute prägt.
1928 – Die ersten „Männel“
1928 übernahm Paul Sternkopf den Betrieb und richtete ihn zunehmend auf kunsthandwerkliche Holzprodukte aus. Nach und nach entstanden jene Figuren, die wir heute ganz selbstverständlich mit erzgebirgischer Holzkunst verbinden: Räuchermänner, Engel, Bergmänner, Pyramiden und viele weitere „Männel“. Aus der ursprünglichen Holzverarbeitung entwickelte sich so eine immer vielfältigere Figurenwelt – und damit ein wichtiger Teil dessen, wofür der Name Gahlenz später bekannt werden sollte.
1972–1993 – Zeiten des Wandels
1972 wurde der Betrieb verstaatlicht und als VEB Holzwaren Gahlenz weitergeführt. Nach der deutschen Wiedervereinigung begann erneut eine Zeit großer Veränderungen. 1993 übernahmen Jochen Schumann und Gundolf Berger das Unternehmen und stellten es für die Zukunft neu auf. Traditionelle Handarbeit und das über Generationen gewachsene Wissen blieben erhalten, wurden aber zunehmend durch moderne Fertigungstechniken ergänzt. Diese Verbindung aus Tradition und Fortschritt prägt die Arbeit in Gahlenz bis heute.
1997 – Der erste Weltrekord
1997 zeigte Gahlenz eindrucksvoll, dass erzgebirgische Holzkunst auch riesig sein kann. Für den Dresdner Striezelmarkt entstand eine 14,62 Meter hohe Stufenpyramide mit sechs Etagen und einer Kuppel. Das achteckige Grundgestell allein misst 5,50 Meter im Durchmesser. Die außergewöhnliche Konstruktion wurde vom Guinness Buch der Rekorde als Rekordleistung bestätigt. Bis heute prägt die Pyramide den Dresdner Striezelmarkt – und trägt Gahlenzer Handwerkskunst weithin sichtbar in die Welt.
Gahlenz in der weiten Welt
2004 – Noch ein Weltrekord
Ein Weltrekord war den Gahlenzern offenbar nicht genug. Im November 2004 entstand in unserer Werkstatt ein 7,14 Meter hoher Nussknacker. Guinness World Records bestätigte ihn offiziell als größten Nussknacker der Welt. Und anders als so manches Rekordstück verschwand unser Riese anschließend nicht irgendwo im Archiv: Bis heute steht er in Gahlenz und erinnert Besucher daran, was diese kleine erzgebirgische Werkstatt leisten kann – und dass man hier manchmal eben gern ein paar Nummern größer denkt.
Gahlenz in der Welt
Aus der Erfahrung mit großen Figuren und Pyramiden entwickelte sich eine ganz besondere Stärke unserer Werkstatt. Großpyramiden, riesige Figuren, Schwibbögen und individuelle Sonderanfertigungen aus Gahlenz fanden ihren Weg weit über das Erzgebirge hinaus. Heute stehen Arbeiten aus unserer Werkstatt an zahlreichen Orten in Deutschland und sogar auf anderen Kontinenten. So wurde aus dem kleinen Ort Gahlenz ein Spezialist für außergewöhnliche Holzbaukunst – mit Projekten, die manchmal Tausende Kilometer von ihrem Entstehungsort entfernt zu bestaunen sind.
Handwerk, das man sehen kann
Trotz aller Rekorde beginnt bei uns vieles ganz klassisch mit einem Stück Holz. Drechseln, schleifen, montieren, bemalen und verzieren – zahlreiche Arbeitsschritte sind bis heute echte Handarbeit. Traditionelle Techniken treffen dabei auf moderne Maschinen und vor allem auf die Erfahrung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn vieles von dem, was unsere Figuren ausmacht, lässt sich nicht einfach programmieren. Dieses Wissen wird über viele Jahre erlernt, weitergegeben und jeden Tag aufs Neue mit ruhiger Hand angewendet.
2026 – Ein schwieriges Jahr
Im Sommer 2026 geriet die Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz GmbH RuT in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden. Für die Belegschaft, den Ort und viele Freunde und Sammler von Gahlenz war das eine schwierige Nachricht. Gleichzeitig zeigte die große Anteilnahme, wie vielen Menschen die Marke am Herzen liegt. Denn plötzlich ging es um weit mehr als ein Unternehmen: um Arbeitsplätze, jahrzehntelanges Wissen, historische Formen und Maschinen – und um ein Stück erzgebirgischer Handwerksgeschichte, das nicht einfach verschwinden sollte.
2026 – Die Geschichte geht weiter
Mit dem 1. Oktober 2026 beginnt für Gahlenz ein neues Kapitel. Die neu gegründete Gahlenzer Holzbaukunst GmbH übernimmt den Geschäftsbetrieb und führt ihn am traditionsreichen Standort fort. Hinter der neuen Gesellschaft steht Rico Paul, Geschäftsführer der Steinbach Volkskunst GmbH. Werkstatt, Maschinen, Formen und die Marke Gahlenz bleiben erhalten – und vor allem die Menschen mit ihrem jahrzehntelangen Wissen. Gemeinsam mit Steinbach soll Bewährtes bewahrt und gleichzeitig Neues geschaffen werden. Gahlenz bleibt Gahlenz – und bekommt eine neue Zukunft.
